#4TageWoche: "Weniger zu arbeiten ist nicht zielführend"

Die Bundespolitik hat die Diskussion um die Einführung einer 4-Tage-Woche in der aktuellen Corona-Krise ins Spiel gebracht. Im Interview mit Jan Pasemann von der Dachorganisation aller Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Sachsen-Anhalt sprechen wir unteranderem über die Auswirkung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie auf die Löhne und Gehälter.


Hashtag Magazin: Wie stehen Sie zur Einführung einer 4-Tage-Woche?

Jan Pasemann: Mit dem Vorschlag der Einführung einer 4-Tage-Woche sind mehrere Fragen verbunden, die beantwortet werden müssen. Erstens müssen die Unternehmen mehr Beschäftigte einstellen. Wenn ein Tag weniger in der Woche gearbeitet wird, braucht es mehr Mitarbeiter*innen, die die fehlende Arbeitszeit ausgleichen. Zweitens müssen diese Beschäftigten auch bezahlt werden, so dass die Lohnkosten wiederum steigen. Das wiederum heißt eine Steigerung der Produktivität, die in dieser Größenordnung so nicht realisierbar ist. Und drittens müssen diese Mitarbeiter auch erst einmal gefunden werden. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Schwierigkeit, in bestimmten Branchen und Berufen qualifizierte Fachkräfte zu finden, ist der Vorschlag einer 4-Tage-Woche nicht zu Ende gedacht.




Hashtag Magazin: Wie wird sich die Einführung der 4-Tage-Woche Ihrer Meinung nach auf die Lohnmodelle auswirken?

Jan Pasemann: Lohnmodelle sind immer Bestandteil von Arbeitszeitmodellen. Und Arbeitszeitmodelle gibt es sehr viele in den Betrieben. Diese Arbeitszeitmodelle sind auf die Branche bzw. das Unternehmen zugeschnitten. Entweder vereinbaren die Sozialpartner Modelle oder Unternehmen und die Beschäftigten verständigen sich auf eine Regelung, das einen Ausgleich der Interessen beider Seiten ermöglicht. Insofern gibt es bereits eine Vielzahl von Modellen, die den Beschäftigen eine Anpassung der Arbeitszeit auf ihr Leben und ihre Bedürfnisse ermöglicht. Da, wie gesagt, mit einer solchen Regelung auch immer eine Übereinkunft über das Entgelt einhergeht, gibt es auch hier einen beiderseitigen Interessenausgleich.



Jan Pasemann, Dachorganisation aller Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Sachsen-Anhalt // Foto: AWSA

Hashtag Magazin: Welchen Vorteil sehen Sie bei der Einführung einer 4-Tage-Woche?

Jan Pasemann: Die Unternehmen, die über ein solches oder ähnliches Arbeitszeitmodell verfügen, haben sich bewusst dafür entschieden. Und wenn es für sie Vorteile bringt und die Firmen damit erfolgreich arbeiten, dann hat es den Praxistest bestanden. Ansonsten sollte es jede*r Unternehmer*in gemeinsam mit den Beschäftigen überlassen werden, eine Regelung zur Arbeitszeit zu treffen. Denn Sie wissen am besten, wie diese ausgestaltet werden kann.


Hashtag Magazin: Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie?

Jan Pasemann: Wenn ich mir an dieser Stelle nur die wirtschaftliche Situation bedingt durch die Covid-19-Pandemie vor Augen halte, ist die 4-Tage-Woche nicht das richtige Instrument, um der Krise zu begegnen. Wir erleben einen wirtschaftlichen Einbruch, den es bislang so noch nicht gab in den letzten Jahrzehnten. Diesen Einbruch wieder aufzuholen kostet Zeit. Also weniger zu arbeiten in einer Zeit, in der es etwas wettzumachen gilt, ist nicht zielführend.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Das Hashtag Magazin macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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