#CoronaKrise: Krankenstand in Deutschland bleibt stabil

Die Corona-Krise hinterlässt Spuren im Krankenstand: Im ersten Halbjahr 2020 ist fast jeder fünfte Fehltag im Job auf eine Atemwegserkrankung zurückzuführen.



Die Anzahl der Fehltage steigt in dieser Krankheitsgruppe um 12 Prozent auf 140 Tage je 100 Beschäftigte. Auf COVID-19 entfallen drei Fehltage. Einen Anstieg von sieben Prozent gibt es bei psychischen Erkrankungen, insbesondere bei Depressionen. Insgesamt bleibt der Krankenstand im ersten Halbjahr 2020 jedoch stabil bei 4,2 Prozent – so das Ergebnis einer aktuellen Analyse der DAK-Gesundheit. Grund ist vor allem ein leichter Rückgang der Fehlzeiten durch Verletzungen. Zudem sind weniger Beschäftigte wegen Krankheit arbeitsunfähig als im Vorjahreshalbjahr. Die Mehrheit (68 Prozent) hat in den ersten sechs Monaten 2020 keine einzige Krankmeldung.


Entgegen der Erwartung


Trotz Corona-Krise hat jeder DAK-versicherte Beschäftigte durchschnittlich genauso viele Fehltage wie im Vorjahreshalbjahr: 7,6 Tage. Im Monatsvergleich war der Krankenstand 2020 vor allem im Lockdown-Monat März mit 5,5 Prozent erhöht. Im April ging er bereits zurück, und in den Monaten Mai und Juni erreichte er mit 3,4 beziehungsweise 2,4 Prozent Tiefstände. „Entgegen der Erwartungen ist ein nachhaltiger Anstieg der Arbeitsunfähigkeit ausgeblieben, obwohl es wegen der Pandemie noch bis Ende Mai die telefonische Krankschreibung gab“, erklärt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Das zeigt, dass einfache Lösungen für das Krankschreibungs-Geschehen sehr sinnvoll sind.“



Die Krankenkasse begrüßt deshalb die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) kürzlich beschlossene Krankschreibung per Videosprechstunde. „Wir müssen nicht nur bei COVID-19, sondern bei vielen Erkrankungen generell die Ansteckungsgefahr für das Praxispersonal und für andere Patienten mit bedenken. Wenn neue Formen der Kommunikation die persönliche Begegnung in der Arztpraxis ersetzen, ist das ein wichtiger Fortschritt.“


Über die Hälfte aller Fehltage im ersten Halbjahr 2020 lassen sich auf drei Krankheitsarten zurückführen: An erster Stelle stehen Muskel-Skelett-Probleme. Sie sind für jeden fünfte Fehltag (20,7 Prozent) von Arbeitnehmern verantwortlich. Danach folgen Atemwegserkrankungen mit 18,3 Prozent und an dritter Stelle psychische Leiden mit 16,7 Prozent. Bei den Atemwegsproblemen gibt es einen Anstieg um zwölf Prozent. Das Niveau liegt aber mit 140 Fehltagen je 100 Arbeitnehmer unter dem des Grippejahres 2018. Damals führten Erkrankungen des Atemsystems die Krankenstands-Statistik auf Platz 1 an. „Auch dies zeigt, dass sich die Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Epidemie bewährt haben,“ so Andreas Storm.


Hochphase der Corona-Krise



Ein Blick auf konkrete Diagnosen zeigt bei akuten Infektionen der oberen Atemwege ein deutliches Plus von 30 Prozent. Bezogen auf 100 Versicherte sind es 74 Fehltage, im Vorjahreshalbjahr waren es 57. Für akute Atemwegsinfektionen gab es in der Hochphase der Corona-Krise die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung. Die Dauer eines durchschnittlichen Erkrankungsfalls ist bei dieser Diagnose im ersten Halbjahr 2020 mit 7,7 Tagen vergleichsweise lang.

Mehr Fehltage als im Vorjahreshalbjahr entfallen zudem auf Depressionen. Bezogen auf 100 Versicherte sind es 52,8 Fehltage, ein Zuwachs von sieben Prozent (1. Halbjahr 2019: 49,2 Fehltage). Weniger Fehltage weist die Analyse der Verletzungen aus: Bezogen auf 100 Versicherte sind es bei den Verletzungen an einer nicht näher bezeichneten Körperregion mit sieben statt neun Fehltagen ein Fünftel weniger. 


Ein Bundesvergleich macht deutlich: In den östlichen Bundesländern sind Beschäftigte im ersten Halbjahr 2020 häufiger und länger krankgeschrieben als in den westlichen Bundesländern. Arbeitnehmer haben im Osten durchschnittlich 9,3 Fehltage, ihre Kollegen im Westen nur 7,4 Tage. Im Osten ist auch die Gruppe derjenigen größer, die sich in den ersten sechs Monaten mindestens einmal krankschreiben lassen müssen: Rund 38 Prozent haben hier im 1. Halbjahr wenigstens eine Krankschreibung, im Westen nur 32 Prozent. 


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