#Coronavirus: Tullner (CDU): Zurück in die schulische Normalität

Heute startet in Sachsen-Anhalt wieder die Schule und das in Zeiten von Corona. "Vorrangiges Ziel ist es, nach Maßgabe der Hygienevorschriften einen geregelten, durchgehenden schulischen Lernprozess für alle Schülerinnen und Schüler im gesamten Schuljahr sicherzustellen", sagt Bildungsminister Marco Tullner im Hashtag Magazin-Interview.

Bildungsminister Marco Tullner // Foto: Sachsen-Anhalt

Hashtag Magazin: Herr Minister Tullner, heute startet in Sachsen-Anhalt nach sechs Wochen Ferien wieder die Schule. Abstand halten, für Hygiene und Schutz sorgen, wo viele Schüler zusammenkommen – im Schulbus, in der Klasse, in der Pause –, Eltern und auch Lehrer fragen sich, wie soll das eigentlich alles gehen. Haben Sie schon eine Vorstellung davon?


Minister Tullner: Nachdem ein ungewöhnliches Schuljahr endete, das alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen stellte und ihnen eine enorme Flexibilität abverlangte, begeben wir uns mit dem Beginn des neuen Schuljahres auf den Weg zurück in die schulische Normalität. Heißt im Kern: Präsenzunterricht für alle. Das alles bedeutet jedoch nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Vorrangiges Ziel ist es, nach Maßgabe der Hygienevorschriften einen geregelten, durchgehenden schulischen Lernprozess für alle Schülerinnen und Schüler im gesamten Schuljahr sicherzustellen.


An allen Schulen wird der Alltag geprägt von Sicherheitsmaßnahmen und Hygienebestimmungen. Einen entsprechenden Stufen- und Rahmenplan hatte das Bildungsministerium in der vergangenen Woche in Kraft gesetzt (siehe www.mb.sachsen-anhalt.de). In den Schulen wurde schon vor Schuljahresbeginn unglaublich viel geleistet. Auch, wenn es keine 100%ige Sicherheit geben kann, sind wir bestmöglich auf das kommende Schuljahr vorbereitet.




Hashtag Magazin: Ist die Einhaltung des Lehrplanes unter den aktuellen Gegebenheiten gewährleistet?


Minister Tullner: Ja, dies ist gewährleistet. Lehrpläne beschreiben Kompetenzziele. Diese sind nicht beliebig und bleiben selbstverständlich bestehen. Inwiefern der Umfang und Tiefe zur Erreichung der Kompetenzziele adaptiert werden muss, wird in den Schulen entschieden. Die Voraussetzungen in den letzten Monaten Schulzeit erwiesen sich - aus vielfältigsten Gründen – durchaus unterschiedlich. Insofern muss das mit Blick auf die einzelnen Lerngruppen und Schüler entschieden werden. Gesonderte Lernstandserhebungen an den Schulen werden darüber Aufschluss geben.


Die schulinternen Planungen und didaktischen Jahresplanungen wurden und werden an den Schulen so überarbeitet, dass insbesondere die Kompetenzen zu berücksichtigen sind. Daran hängt auch die jeweilige Überprüfung, welche Kompetenzen noch verstärkt zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln sind. Besondere Relevanz hat das für prüfungsrelevante Lernfelder und Kernfächer.



Hashtag Magazin: Wie sind die Schulen auf einen Corona-Ausbruch vorbereitet? Müssen dann wieder Schulen schließen - wie in anderen Bundesländern?


Minister Tullner: Das kann nicht ausgeschlossen werden. Niemand kann vorhersehen, welche Entwicklung die Pandemie nimmt und welche Dynamik sie entwickelt. Die Art des Schulbetriebs steht daher in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen. Anzuwendende Maßnahmen orientieren sich konkret am lokalen bzw. regionalen Infektionsgeschehen. Damit kann lokal gezielt reagiert werden, ohne dass der Präsenzunterricht in nicht betroffenen Regionen beeinträchtigt wird.


Wir unterscheiden hier innerhalb eines Stufenmodells zwischen dem Regelbetrieb (Stufe 1), dem eingeschränkten Regelbetrieb (Stufe 2) sowie der Schulschließung mit Distanzunterricht und Notbetreuung (Stufe 3). Alle Varianten sind mit konkreten Maßnahmen untersetzt. Diese kann man im Einzelnen nachlesen auf der Homepage des Bildungsministeriums unter www.mb.sachsen-anhalt.de und - zusätzlich aufbereitet - als FAQ unter https://lsaurl.de/FAQneuesSJ.


Hashtag Magazin: Wie lange halten Schulen in Sachsen-Anhalt diese Situation aus?


Minister Tullner: Ich würde an dieser Stelle nicht vom Aushalten sprechen, sondern eher von einem notwendigen, angemessenen Reagieren auf schulische Situationen, das im Übrigen eine hohe Akzeptanz findet. Natürlich erhoffe ich mir so viel Normalität im Schulalltag, wie nur möglich. In diesem Wunsch sind wir uns alle einig. Und trotzdem vertraue ich in Situationen, die von der Normalität abweichen auf die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden und den Schulträgern.


Ich weiß um die Professionalität und das Engagement unserer Schulen. Aus den Elternhäusern kam und kommt große Unterstützung. Und schließlich sorgen die Kollegen der Schulverwaltung unermüdlich dafür, dass sich keine Schule allein gelassen fühlen muss. Das alles in der Summe macht mich mehr als zuversichtlich, dass das neue Schuljahr im verlässlichen Miteinander erfolgreich beginnen und verlaufen wird.


Hashtag Magazin: Gibt es genug Räume für Unterricht in kleineren Lerngruppen?


Minister Tullner: Diese Frage ist pauschal nicht beantwortbar. Die baulichen Voraussetzungen sind mehr als vielfältig. Diese Frage müsste sich, wenn man auf einzelne Standortbedingungen abzielt, an die jeweiligen Schulträger richten.




Hashtag Magazin: Welche Herausforderungen werden auf die Lehrer zukommen?


Minister Tullner: Zu den üblichen Herausforderungen, die der Lehrerberuf mit sich bringt, geht es hier im Besonderen um die Organisation des Schulbetriebs sowie um Maßnahmen der Hygiene, des Infektions- aber auch Arbeitsschutzes. Da sprechen wir über Raumhygiene, regelmäßiges Lüften, den Umgang mit Lernmitteln aber natürlich auch die Frage, wie der Unterricht für Schüler organisiert werden kann, die ärztlich attestiert Risikomerkmale aufweisen.


Die Liste der Herausforderungen ist lang. Mit dem Rahmenplan haben wir konkrete Maßnahmen beschrieben, die – da bin ich überzeugt – eine konkrete Orientierung und auch Handreichung für die Schulkollegien sind. Auch, wenn es sich letztlich ganz klar um zusätzliche Belastungen für unsere Schulen handelt, die ich ihnen sehr gern ersparen würde. Insofern bleibt mir an dieser Stelle vor allem, einen ausdrücklichen und herzlichen Dank an alle zu richten, die den Schulbetrieb unter den momentanen Bedingungen mit großem Einsatz und Beharrlichkeit gewährleisten.



Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Das Hashtag Magazin macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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