#ReinerHaseloff: "Zweiten Lockdown verkraftet die Wirtschaft nicht"

Sechs Monate müssen wir schon mit dem Corona-Virus leben. Es schränkt unseren Alltag in Sachsen-Anhalt ein. Doch wie geht es weiter? Hashtag Magazin spricht exklusiv mit Ministerpräsident Reiner Haseloff.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) // Foto: Staatskanzlei

Hashtag Magazin: Das Virus ist Teil unseres Alltags geworden – und wird es auch noch bleiben. Herr Ministerpräsident Haseloff, ein halbes Jahr müssen wir schon mit dem Corona-Virus leben. Schauen wir auf Sachsen-Anhalt, wie haben wir die Krise bislang gemeistert?

Ministerpräsident Haseloff: Eine Krisenzeit, wie wir sie jetzt mit der Corona-Pandemie erleben, ist eine große Bewährungsprobe für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung, für unser Land und jeden Einzelnen. Wir sind bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen und haben mit die niedrigsten Werte in Deutschland. Das hat seine Gründe. Die weitaus meisten Menschen in Sachsen-Anhalt haben Verständnis für die getroffenen Maßnahmen gezeigt und sie befolgt.


Die Menschen im Land haben Verantwortung übernommen und dazu beigetragen, dass das öffentliche Leben trotz mancher Herausforderungen und Einschränkungen nicht zum Erliegen kam, ob in Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und Pflegeheimen, in der Versorgung mit Lebensmitteln und wichtigen Gütern, in der Kinderbetreuung oder in vielen anderen wichtigen Bereichen. Die Solidargemeinschaft hat sich in dieser sehr schwierigen und außergewöhnlichen Zeit gut bewährt.



Hashtag Magazin: Der Lockdown vor einigen Monaten war für viele Menschen im Land eine große Herausforderung. Mit Blick auf die aktuellen Maßnahmen: Können Sie einen zweiten Lockdown ausschließen?


Ministerpräsident Haseloff: Völlig ausschließen kann man nie etwas, aber wir werden alles, aber auch wirklich alles tun, um ihn zu verhindern. Auch warne ich vor den Folgen eines zweiten Lockdowns. Diesen können wir uns nicht leisten. Hilfsmaßnahmen wie im jetzigen finanziellen Rahmen lassen sich nicht wiederholen.


Auch würde unsere Wirtschaft einen zweiten Lockdown kaum verkraften. Er würde sich letztendlich auch negativ auf den Sozialstaat und seine Stabilität auswirken und von den Menschen im Land kaum akzeptiert werden. Es darf zu keiner Polarisierung in der Gesellschaft kommen. Um einen zweiten Lockdown zu vermeiden, können wir alle etwas tun. Wir dürfen bei der Einhaltung des Virus nicht nachlässig werden und uns an die Maskenpflicht halten.

Foto: Shutterstock

Hashtag Magazin: Wie lange hält die Wirtschaft im Land die Corona-Krise noch aus?

Ministerpräsident Haseloff: Die Ausbreitung des Coronavirus stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Als unmittelbare Reaktion auf die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf Unternehmen hat das Land Sachsen-Anhalt mit Bundes- und Landesmitteln das größte Soforthilfe-Programm für Unternehmen in der Geschichte Sachsen-Anhalts aufgelegt. Sie haben die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft Sachsen-Anhalts zumindest etwas gedämpft.


Allein im Rahmen der Corona-Soforthilfe sind durch Bund und Land Zuschüsse von insgesamt 290 Millionen € an rund 37.000 Antragsteller in Sachsen-Anhalt bewilligt worden. Gemessen an der Dimension haben wir die Krise bisher gut bewältigt. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass wir gestärkt aus ihr hervorgehen werden. Dazu gehören neben dem jüngsten Wachstum und unsere inzwischen breit aufgestellte Wirtschaft. Verzagtheit wäre also fehl am Platz. Wir brauchen Zuversicht und Zutrauen.



Hashtag Magazin: Eine Redewendung sagt, „Hinterher ist man immer klüger“: Was hat Ihre Regierung im Rückblick anders machen können?

Ministerpräsident Haseloff: Wenn man alles weiß, macht man alles richtig. Das ist aber eigentlich unmöglich. Aber auch rückwirkend würden wir nicht viel anders machen. Klar, wir haben den Menschen gerade zu Beginn der Pandemie einiges zugemutet. Aber auch dadurch haben wir mit die niedrigsten Infektionszahlen in Deutschland und Europa. Sobald wir es verantworten konnten, haben wir nach und nach die die Freiräume erweitert.


Unsere Maßnahmen waren angemessen und verhältnismäßig. Wichtig ist, dass wir uns über die Lage im Klaren waren und sind. Solange es keinen Impfstoff oder wirksame Medikamente gibt, ist Covid19 eine reale Gefahr. Wir können daher, trotz rückläufiger Fallzahlen, derzeit nicht einfach zum Alltag übergehen, so als wäre nichts geschehen. Es gab keine Alternative dazu, die Priorität auf den Schutz der Gesundheit zu legen und die notwendigen Maßnahmen zu treffen.



Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Das Hashtag Magazin macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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